Die Küche als Bühne des Lebens.
"The Farm Project" von Mike Meiré im Designhuis Eindhoven
Im April 2006 präsentierte Dornbracht im Rahmen der Mailänder Möbelmesse erstmalig "The Farm Project" von Mike Meiré. Aufgrund des großen Erfolges wurde die Farm während der Passagen 2007 in Köln, als associate project während der Eröffnungstage der skulptur projekte münster 07 und im Dezember 2007 auf der ART Basel Miami gezeigt. Jetzt kann das Projekt von Mike Meiré, das im Rahmen der Dornbracht Edges entstanden ist, im Designhuis, Eindhoven im Rahmen der Ausstellung „Farmer in search of style“ vom 06. bis zum 27. September 2009 angesehen werden.
Mike Meiré inszeniert mit seiner Installation die Küche als Bühne des Lebens: das lebendige Durcheinander von Düften, Zutaten und Gewürzen, von Besteck, Geschirr, Pfannen und Töpfen. Die Küche als Ort der Toleranz, an dem Essbares und Trinkbares, Küchenwerkzeuge und Rezepte aus aller Welt neben- und miteinander koexistieren. Ein Raum vielfältigster künstlerischer, architektonischer, kultureller Begegnungen.
"'The Farm Project' ist keine dekorative Idee, sondern eine Haltung, ein Aufruf zur Alternative", so Mike Meiré in der aktuellen Dornbracht Publikation the SPIRIT of WATER. "Der Wille, alles zu designen, hat in den vergangenen Jahren vor allem in der Küche dazu geführt, dass wir auf viele interessante, schöne, hinreißende Dinge verzichten. Das finde ich schade, weil gerade die Küche immer Ort des Lebens und der Toleranz war."
So bestimmen weder technische Finesse, noch formale Perfektion das Projekt. Stattdessen ist der Besucher zu Gast in einer Küche, die das bodenständige, einfache Leben zitiert: In einem scheunenartigen Raum begegnet er lebendigen Schweinen, Vögeln, Fischen und Heu, Mistgabeln und einfache verzinkte Blecheimer bilden ein anspielungsreiches Ensemble, ein gusseiserner Ofen spendet Wärme, ein doppelstöckiges Spülbecken aus Edelstahl wird zur Skulptur. Schlichtes Geschirr ist wie zufällig in verschiedenen Stapeln aufgeschichtet. Eine rollbare Spüleinheit rundet das Bild ab.
Von außen ummanteln Platten in verschiedenen Materialien – Kupferbleche, Dämmplatten, Kunststoffe – den von grauweißen Stahlträgern definierten Raumkörper: Die Scheune wird improvisiertes Metazeichen. Die diversen Farbigkeiten, Konsistenzen und Oberflächenstrukturen werden zu einem zeichenhaften, provisorischen und sich ständig verändernden Patchwork. Sie stehen in ihrer Vielfalt auch für unsere Zivilisation. Und sind eine zerbrechliche Haut. Der Blick auf diese äußere Fragilität und das vermeintliche Chaos des Patchwork lässt das Innere als sicheren Hafen erscheinen. Es wird zu einem Ort der Sehnsucht.
"Ausgangspunkt der Konzeption von 'The Farm Project' war die Frage, wie sich die Ritual-Architektur-Konzepte, die wir gemeinsam mit Dornbracht für das Bad entwickelt haben, auf den Raum Küche übertragen lassen", so Mike Meiré. "Im Design beobachte ich seit geraumer Zeit eine Tendenz zur Archaisierung, die mit einem Minimalismus einhergeht. Man will Ikonen schaffen: präzise, grafische Formen, die memorabel sind. Aber man muss eben unterscheiden: Wo macht eine solche Minimalisierung Sinn? Und wo wirkt sie eher lebensfeindlich, aseptisch? Die Küche ist doch ein hochkomplexer Ort, ein permanentes 'Making of' – eben Leben pur, eine Werkstatt für die Sinne. Und genau das möchte ich den Menschen vermitteln, die meine 'Küchenscheune' betreten."
Die Dokumentation des "The FARM Project" ist im Juni 2007 im Walter König Verlag erschienen.